Wie steht es um Deutschlands Gesamtverteidigung?

Ist Deutschland auf den Spannungsfall vorbereitet? Diese Frage stand am 5. März 2026 im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Europäischen Haus. Rund 550 Teilnehmende vor Ort und online verfolgten die Diskussion – ein Zeichen dafür, wie stark das Thema Gesamtverteidigung an Bedeutung gewinnt.

Panel mit Oberst i.G. Armin Schaus aus dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr, Maciej Popowski, Generaldirektor der Europäischen Kommission für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe sowie MdEP Lena Dupont..

Neben MEP Lena Düpont diskutierten Oberst i.G. Armin Schaus aus dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr sowie Maciej Popowski, Generaldirektor der Europäischen Kommission für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe. Moderiert wurde das Gespräch von Lisa-Martina Klein (Table.Briefings).

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Europa und Deutschland besser auf Krisen und mögliche Konflikte vorbereiten können. Dabei zeigte sich schnell: Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Offene demokratische Gesellschaften sehen sich zunehmend hybriden Bedrohungen ausgesetzt, etwa durch Desinformation oder Cyberangriffen, die Unsicherheit in der Bevölkerung schüren. Gleichzeitig unterscheidet sich die Risikowahrnehmung innerhalb Europas: Während in Teilen Südeuropas Naturkatastrophen im Vordergrund stehen, ist in osteuropäischen Staaten die Bedrohung durch militärische Konflikte stärker präsent.

Vor diesem Hintergrund rückte der Ansatz der Gesamtverteidigung in den Mittelpunkt der Diskussion. Er verbindet militärische, zivile, wirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz. Wie Popowski betonte, könne sich Europa die Krisen nicht aussuchen. Vorbereitung muss daher alle Szenarien berücksichtigen.

Publikum bei der Diskussion zur Verteidigung in der EU.

Zuständigkeitswirrwarr und Verantwortungsbewusstsein

Auch strukturelle Herausforderungen in Deutschland wurden diskutiert. Ein komplexes Geflecht an Zuständigkeiten zwischen Kommunen, Ländern, Bund und EU erschwert häufig eine koordinierte Krisenreaktion. Diskutiert wurde daher die Notwendigkeit, strategische Kompetenzen stärker zu bündeln. Düpont betonte, dass jeder Akteur seine Aufgabe wahrnehmen müsse. Neben klaren Zuständigkeiten seien Kommunikation, Transparenz und ein stärkeres Bewusstsein für sicherheitspolitische Risiken entscheidend.

Von skandinavischen Ansätzen lernen

Mehrfach verwiesen die Diskutierenden auf das skandinavische Modell der Gesamtverteidigung als mögliches Vorbild. In Ländern wie Finnland oder Schweden werden militärische Verteidigungsplanung und zivile Krisenvorsorge systematisch miteinander verzahnt. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten dort eng zusammen, während die Bevölkerung aktiv in Krisenvorsorge einbezogen wird, durch Informationskampagnen, Übungen oder Schutzräume.

Gesamtverteidigung als gemeinsame Aufgabe

Zum Abschluss brachte es Schaus auf den Punkt: „Die Gesamtverteidigung funktioniert nur, wenn Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft resilient sind.“ Moderatorin Klein gab dem Publikum zudem mit auf den Weg, im eigenen Umfeld zu wissen, wer im Ernstfall Ansprechpartner ist und frühzeitig Netzwerke aufzubauen, die im Krisenfall Orientierung bieten können.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden diese Fragen weiter vertieft. Stimmen aus Perspektive der Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und sicherheitspolitischer Praxis zeigten, wie wichtig der Austausch zwischen verschiedenen Akteuren ist, um Herausforderungen und Lösungsansätze gemeinsam zu diskutieren und das Bewusstsein für aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen zu stärken.

Fotos:Tobias Koch