LUX-Filmtage in Berlin mit u.a. Regisseur İlker Çatak

"Wow", so İlker Çatak, Regisseur des Films „Das Lehrerzimmer“ beim Anblick des voll besetzten Saals in seinem Lieblingskino in Berlin. Sichtlich berührt fügte er hinzu: „Ich weiß noch, wie ich als junger Filmstudent immer hier saß und Filme sah und dachte: Es wäre ein großer Traum, wenn irgendwann hier ein Film von mir liefe."

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Der Saal des Kino International war bis zum letzten Platz besetzt: So groß war das Interesse an der Vorführung „Das Lehrerzimmer“ mit anschließender Gesprächsrunde, der seit dem 23. Januar auch als bester internationaler Film für die Oscars 2024 nominiert ist. „Man kommt richtig in den Kinorausch“, rief eine Besucherin durch den Kinosaal, in dem das Publikum zwei Tage lang im Rahmen der LUX-Publikumsfilmvorführungen die Vielfalt europäischen Kinos erlebte.

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Das Werk von İlker Çatak handelt davon, wie eine junge Lehrerin (Leonie Benesch) auf eigene Faust versucht, eine Reihe von Diebstählen an der Schule aufzuklären. Dabei entgleitet ihr die Kontrolle über die Situation. „Wir waren uns sehr im Klaren, dass man in dem Moment, in dem man einen Film über die Schule macht, den auch über die Gesellschaft macht. Jede Schule hat auch ähnliche Strukturen wie ein Staat. Es gibt eine Schulleitung, es gibt Menschen mit Macht, also die Lehrkräfte, es gibt ein Volk, die Schülerschaft und ein Presseorgan“, so Çatak über die Grundgedanken des Films und über den Mikrokosmos Schule als Abbild der Gesellschaft. 

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"Kann man das Richtige wollen und das Falsche tun?",


lautete die Leitfrage des Regisseurs İlker Çatak für seinen Film „Das Lehrerzimmer". Seine Triebfeder beim Schreiben: das moralische Dilemma, wenn alle recht haben könnten. Dieses greift der Film detailliert und subtil auf. „Das Lehrerzimmer“ öffnet einen Raum für Diskussionen und hat bewusst ein offenes Ende: „Die Unklarheit, die Unschärfe, die verschiedenen Meinungen stehen zu lassen - das ist, glaube ich, was Kino ausmacht bei diesem Film. Es geht um Wahrheitsfindung. Aber wer hat denn die objektiven Wahrheiten? Alle haben ihre eigenen Wahrheiten“, erklärte der Filmkritiker Florian Koch.

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Der innere Konflikt der Protagonistinnen und Protagonisten des Films entfacht bei dem Zuschauenden die Frage von Wahrheit und Gerechtigkeit. Wie schwer es sei, Wahrheit festzumachen, sei ein Hauptthema gewesen, die ihn und Johannes Duncker beim Drehbuchschreiben beschäftigten, erzählt der Regisseur im Gespräch. „Je schwieriger es erscheint, desto grösser ist das Bedürfnis nach Glauben“, so der Regisseur über seine Wahrnehmung über die Debattenkultur in der Gesellschaft. Er habe bewusst Fragen, die die Gesellschaft umtrieben, in den Film einbauen wollen.  Çatak berichtete auch über seinen Zweifel während der Entstehung des Films: „Wir alle kämpfen mit dem Gefühl, gegen das Mittelmaß. Mit den Fragen: ist es gut genug?“ legte Çatak offen.

Der Regisseur musste sein Vorhaben auch verteidigen, den Film für das Kino-Publikum produzieren zu dürfen. „Mir wurde gesagt, wenn überhaupt, ist er ein Fernsehfilm, hätte aber keine Kino-Qualität“, so İlker Çatak. Das Publikum hatte eine klare Meinung dazu, der Film ist eindeutig ein Kinofilm. Das zeigte nicht nur der voll besetzte Saal, sondern auch der tobende Applaus für den Regisseur und seinen Film. 

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Zum Lux-Publikumsfilmpreis

Die fünf für den LUX-Publikumspreis konkurrierenden Filme behandeln Themen aus der Gesellschaft, die uns alle bewegen. Das Ziel des LUX-Publikumspreises sei, ein Abbild der Gesellschaft aufzuzeigen, und deren reale Probleme, unterstrich die Europaabgeordnete Martina Michels in der Diskussionsrunde. „Dieser Film erfüllt alle diese Ziele des LUX-Filmpreises: Er zeigt die Vielfalt in der Gesellschaft, die Widersprüchlichkeit und die Frage, wie wir mit Konflikten umgehen. Das ist so aktuell wie kaum zuvor“, so Martina Michels, Ausschussmitglied für Kultur und Bildung auf europäischer Ebene. Auch beim zweiten Film des Abends „20.000 Arten von Bienen“ war das Publikum begeistert und diskutierte angeregt noch bis spät abends in der Panorama-Bar mit Blick auf die Karl-Marx-Alle. 

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Wir danken allen Mitwirkenden für ihren tollen Einsatz bei den Filmvorführungen und der Filmdiskussion und den insgesamt etwa 2.000 Besucherinnen und Besuchern, die die beiden LUX-Filmtage am 31. Januar und am 1. Februar 2024 besucht haben.

Am 2. Tag zeigte das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments die weiteren für den LUX-Publikumspreis 2024 nominierten Filme: „Fallende Blätter" von Aki Kaurismäki, „Smoke Sauna Sisterhood" von Anna Hints und „Auf der Adamant" von Nicolas Philibert. Seit 2020 wird „LUX – der europäische Publikumsfilmpreis" vom Europäischen Parlament und der Europäischen Filmakademie in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und dem Netzwerk Europa Cinemas verliehen.

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